Lage & Anfahrt

Das Rathaus Am Alten Markt

Das Stralsunder Rathaus zählt zu den schönsten Profanbauten der norddeutschen Backsteingotik. Die Anfänge des Baus gehen in das 13.Jahrhundert zurück.
Das Rathaus war auf Grund seiner architektonischen Besonderheiten nicht nur Sitz des Rates und Stätte der Rechtssprechung, sondern zugleich ein von regem Geschäftsbetrieb erfülltes Gebäude: So diente die sechsschiffige, gewölbte Kellerhalle vermutlich als Tuchhalle und im Erdgeschoss waren Verkaufsbuden untergebracht. Der nördliche Kopfbau am Alten Markt mit seiner berühmten Schauwand zeigt im Erdgeschoss eine zweischiffige Gewölbehalle. Der darrüberliegende Saal, heute Löwenscher Saal, war ursprünglich der Sitzungsraum der städtischen Oberschicht. Über den großen Fenstern der Marktfront deuten Wappen der Hansestädte Wismar, Lübeck, Hamburg, Greifswald, Stralsund und Rostock auf alte Seehandelsbeziehungen hin. In der einschiffigen Gewölbehalle des südlichen Kopfbaus vermuten die Historiker die Gerichtslaube, in dem darrüberliegenden Saal die Ratslaube. Im Verlauf der Jahrhunderte erfuhr das Rathaus mehrmals Veränderungen: 1579 entstand die Renaissancetreppe zu den Verwaltungsräumen, 1680 wurde nach einem Brand das Kupfer- durch ein Ziegeldach ersetzt und im 17.Jahrhundert erhielt der langgestreckte Hof den reizvollen Galeriegang. Als herausragende Architekturleistung aus neuerer Zeit ist das Barockportal mit Wappenbekrönung zu nennen. Im Innern des Rathauses sind die während der letzten Jahre restaurierten Räume des Löwenschen Saales, der Achtmannskammer und der Alten Wache sehenswert.

Die Achtmannskammer

Das Rathaus ist wohl das bekannteste Wahrzeichen der Hansestadt Stralsund. In diesem als Café genutzten Erdgeschossraum traten während der Sanierung im Jahr 2010 überaschende bauhistrorische Befunde zu Tage. Sie zeugen von der siebenhundertjährigen Geschichte dieses prachtvollen Gebäudes. Die ältesten Spuren führen in die Erbauungzeit zurück. Dazu gehören die Fensteröffnungen mit ihren Sturzbalken aus Eichenholz an der Südwand und der westlichen Zwischenwand. Diese Zwischenwand war bis Mitte des 18. Jahrhunderts die Außenwand zum Innenhof des Rathauses.

Die rechteckigen Fenster gehörten zu Ladeluken einzelner Verkaufsbuden, die der Rat vermietete. Ursprünglich zählte das Rathaus, im Spätmittelalter auch Kophus (Kaufhaus) genannt, vierzig Verkaufsläden. Im Gang hinter der Caféküche sind einige ursprüngliche Deckenbalken erhalten geblieben. Zusammen mit dem Balken an der Ladeluke wurden diese Hölzer mittels Dendrochronologie in die jahre 1310 datiert.

Sein großes Kreuzrippengewölbe erhielt der Raum um 1350. Der große Schlussstein des Gewölbes wurde gegen 1616 mit dem Stralsunder Wappen bemalt. Die nördliche fachwerkwand im Café ersetzte um 1500 eine ältere Raumtrennung. Im Zusammenhang mit diesem Umbau steht auch die zwischen den Fenstern aufgemalte Heiligenfigur. Es handelt sich sehr wahrscheinlich um die Heilige Katharina von Alexandria (Schutzpatronin der Gelehrten und Anwälte), auch wenn das entscheidende Attribut (Schwert und Rad oder Buch) nicht mehr vorhanden ist.

Der Rat nutzte den einstigen Verkaufsraum vermutlich für einige Zeit zu Verwaltungszwecken. Nach einer schweren politischen Krise sah sich der Rat im jahr 1616 gezwungen, ein Gremium aus je vier Vertretern des rates und der übrigen Bürgerschaft zur Kontrolle der städtischen Finanzmittel zuzulassen – die Achtmänner. Man überließ ihnen diese so genannte Achtmannskammer als Amtsraum. Bis ins Jahr 1874 befand sich hier eine große, eisenbeschlagene und mit acht Schlössern versehene Geldtruhe, in der die städtischen Einnahmen aufbewahrt wurden. Sie stand an der großen Nische an der Südwand und befindet sich heute im Kulturhistorischen Museum. Eine ehemalige Tür, die zur Südlaube des Rathauses hinausführte, gestaltete man zu einem abschließbaren Wandschrank für die Rechnungsbücher um. Außerdem baute man einen großen Kamin ein, der bis ins Jahr 1819 in Funktion war.

Nachdem der Achtmannsausschuss 1874 durch andere Kontrollgremien ersetzt worden war, nutze der Rat diesen geschichtsträchtigen Raum bis kurz nach 1990 als Kohlenlager und Heizungsraum.

Nach der denkmalgerechten Sanierung sind die Räumlichkeiten durch den Cafébetrieb nun wieder öffentlich zugänglich.